Sanierung Evangelische Kirche Mittelmeiderich

mit spirituellem Verständnis und architektonischem Engagement

Als 2006 beim Orgelvorspiel der Putz von den Wänden der Evangelischen Kirche in Duisburg Mittelmeiderich fiel, war auch dem letzten Gemeindemitglied klar, dass eine grundlegende Sanierung dringend notwendig sein wird.

Dass dies auch der Auftakt zu einer dreijährigen Reise in die Vergangenheit des Gebäudes und in die spirituelle Zukunft der Gemeinde sein würde, ahnten jedoch nur die wenigsten. Die Gemeindeverwaltung reagierte schnell. Wenige Wochen später wurde die Kirche geschlossen und erst drei Jahre später zu Pfingsten 2009 wieder geöffnet.

Im Rahmen der umfangreichen Sanierungen kamen überraschend Bauwerksreste aus dem 11 Jahrhundert zum Vorschein. „Archäologische Grabungen konnten mindestens fünf Baustufen nachweisen – einzelne Fragmente haben wir durch Glasplatten sichtbar gemacht“, berichtet Volker Findt. Der Turm – er ist der älteste noch erhaltene Teil – datiert auf das Jahr 1502.

Der neuere Teil des Kirchengebäudes stammt aus den Jahren 1862/63, er wurde nach Plänen des Essener Baumeisters C.W. Th. Freyse auf den Fundamenten der Vorgängerkirchen errichtet. Der im neugotischen Stil entworfene Kirchenbau hat eine einzigartige hölzerne Tragstruktur. Das lateinische Kreuz wird gekrönt von einer Kuppel im Durchmesser von 15 Metern. Sie ruht auf acht hölzernen Stützen und wurde im zweiten Weltkrieg nur wenig beschädigt.

„Zu Beginn der Komplettsanierung haben wir gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Gemeinde nach einem zukunftsfähigen Konzept gesucht, das eine flexible Nutzung des Kirchenraums ermöglicht“, sagt Findt. Neben Gottesdiensten mit der Gemeinde sollten künftig auch Konzerte und Lesungen in der Kirche stattfinden können. Schnell war klar, dass die hölzerne Kuppel künftig der zentrale Ort für eine Vielzahl von Aktivitäten in dem Kirchengebäude sein wird. „Durch eine deutliche Reduzierung der Bänke und Verrücken der Möbel in diese Kuppel haben wir schließlich ein ganz neues Raumerlebnis geschaffen“, so der Architekt

1,3 Millionen Euro hat die Gemeinde in den Erhalt ihrer Kirche investiert. Im Mittelpunkt der baulichen Sanierung standen die Außenwände. Unsachgemäße Instandhaltungsarbeiten Ende der 1950er und 1980er Jahre – unter anderem durch das Auftragen von dampfdichten Anstrichen – hatten zu einer Durchfeuchtung der Wände und Schädigung der filigranen Strukturen rund um die Fenster, des sogenannten Maßwerks, geführt.

Das Kirchengebäude musste daher mit seiner tragenden Holzkonstruktion in der Bausubstanz vollständig saniert werden. Neben einer teilweisen Erneuerung und Verstärkung der vorhandenen Dachkonstruktion der Seitenschiffe und Eingangssituationen, wurde das Maßwerk der Fenster instandgesetzt.

Auch bautechnisch wurde das Gebäude auf den neuesten Stand gebracht: Heizungsrohre und Heizkörper sowie die Elektroinstallation wurden komplett erneuert und die Heizung an eine Fernwärme angeschlossen. Hinzugekommen ist eine moderne programmierbare Lichtsteuerung für den Innenraum. Sie reduziert nicht nur den Energieverbrauch, sondern unterstreicht verschiedene spirituelle Stimmungen und schafft die passende Atmosphäre für vielfältige zusätzliche Nutzungen wie Lesungen oder Konzerte.

Wer die Kirche früher mit ihren grün gestrichenen Wänden und den dunklen Betonboden kannte, ist verwundert über die freundliche und großzügige Atmosphäre. „Durch Auftrag eines hellen Kalkputzes an den Innenwänden nach historischem Vorbild und die Erneuerung des Bodens mit einem beigefarbenen Naturstein wirkt der Innenbereich jetzt wieder hell und einladend“, so Findt.

Die geplante unterschiedliche Nutzung des Kirchenraums erforderte einen flexiblen Altar. Aus einem Stück Cortenstahl gefaltet, erscheint der von Volker Findt gestaltete Tisch, der zentral unter der Kuppel steht – in der Mitte der Gemeinde – wie eine Skulptur. Vom Eingang aus betrachtet wirkt er wie ein wuchtiger Opfertisch, umwandert man ihn, wirkt er filigran und offen. Nur auf der Tischplatte stoßen die Flächen zusammen und geben den Kantungen ihren funktionalen Sinn.

Die künstlerische Neugestaltung des Kirchenraumes wird mit einer neuen Verglasung der Fenster, die nach und nach realisiert werden soll, ihren Abschluss finden. Die Kirchengemeinde hatte einen Wettbewerb zur Gestaltung der Fenster ausgeschrieben, den Romi Fischer mit ihrem Konzept gewonnen hat. Die schweizerische Künstlerin lässt die Sonnenstrahlen, durch mehrschichtige Scheiben aus mundgeblasenem Echtantikglas in die Kirche dringen. Diese tauchen durch ihr Farbspiel auf den Wänden und dem hellen Boden den Innenraum in ein warmes angenehmes Licht.

Das Besondere: „Das farblich fein differenzierte Lichtspiel spiegelt die natürlichen Stimmungen des Tages und der wechselnden Jahreszeiten wider und erzeugt im Zusammenspiel mit den farbigen Abbildungen ständig neue spirituelle Erlebnisse“, beschreibt Findt die Wirkung, die bereits jetzt nach dem Austausch der ersten Fenster beobachtet werden kann.

Eckdaten
Auftraggeber
Ev. Kirchengemeinde Meiderich
Kategorie
Versammlung
Aufgabe
Sanierung eines Denkmals, Umgestaltung Kirchenraum
Leistungsumfang
HOAI 6-9
Leistungszeitraum
2002-2009
Bauzeit
28 Monate
Investitionsvolumen
1,3 Mill. €